Das „Eiermann-Areal“

Die derzeit untersuchte Seilbahntrasse durch das Rosental hat als Ausgangspunkt das sogenannte Eiermann-Areal, die ehemalige Hauptverwaltung der IBM Deutschland im Wald oberhalb des Rosentals.

Der Gebäudekomplex wurde im Wesentlichen in den Jahren 1967 bis 1972 errichtet. Für die Ausführungsplanung war bis zu seinem Tod 1970 der Architekt Egon Eiermann verantwortlich. IBM verkaufte die Liegenschaft im Jahr 2000, blieb jedoch zunächst zur Miete noch dort. Seit der Verwaltungssitz 2009 nach Ehningen verlegt wurde, stehen die Gebäude weitgehend leer und verfallen. Wie schwierig es ist, für die inzwischen teilweise unter Denkmalschutz stehenden Gebäude eine wirtschaftlich tragfähige Verwendung zu finden, drückt sich in dem häufigen Besitzerwechsel aus: aktuell ist es bereits der sechste Eigentümer. Nachdem 2011 die damaligen Eigentümer (Projekt „Carré 5“) in Insolvenz gegangen waren, stellte der Insolvenzverwalter 2013 mangels Verwertbarkeit den Antrag auf Abriss der Gebäude. Stattdessen wurde eine erhebliche Nachverdichtung des Areals geplant und genehmigt, obwohl der damalige Vaihinger Bezirksbeirat dies abgelehnt hatte.

Quelle: WIKIMEDIA COMMONS

Um die nach Presseberichten ziemlich heruntergekommenen und heutigen Standards nicht mehr entsprechenden Bürogebäude zu erhalten, sollen nun Wohnungen für 3.500 bis 4.000 Menschen entstehen. Weiter ist geplant, verschiedene Gewerbebetriebe anzusiedeln, wobei die Anzahl der zu erwartenden Arbeitsplätze ungewiss ist. Somit würde nur wenige Meter von einem der meistbefahrenen Autobahnkreuze Deutschlands entfernt praktisch ein komplett neuer Stadtteil entstehen.

Als Projektidee wurde die Planung dieses neuen Stadtquartiers in das „Netz“ der Internationalen Bauausstellung (IBA) aufgenommen, die 2027 in Stuttgart und Region stattfinden wird. Eine Internationale Bauausstellung ist ein in Deutschland eingesetztes Instrument der Stadtplanung und des Städtebaus, also kein international veranstaltetes Ereignis wie der Name suggerieren könnte. Die Projektskizze sieht vor, die ehemalige IBM Deutschland-Hauptverwaltung denkmalgerecht zu sanieren und diese Sanierung durch eine Erhöhung der Bebauung von jetzt 63.000 qm auf zukünftig 200.000 qm für den Investor wirtschaftlich attraktiv zu machen.

Der jetzige Eigentümer Consus gehört nach jüngsten Änderungen und Fusionen zum Immobilienkonzern Adler Group, heute einer der „größten Wohnungskonzerne in Deutschland“. Hinter dem Unternehmen steht laut Handelsblatt vom 3. Oktober 2020 „ein komplexes Geflecht aus Firmen und Ankeraktionären in Luxemburg, Israel und Deutschland“. Die für den Schuldenstand der Adler Group relevante Beleihungsquote lag laut Handelsblatt zuletzt bei 54 Prozent. Das Handelsblatt schreibt dazu: „Ein hoher Wert: Wettbewerber Vonovia kommt auf 43 Prozent, Deutsche Wohnen auf 35 Prozent.“ Das Unternehmen und die Anleihen der Adler Group seien gemäß Rating durch Standard & Poor’s mit „BB“ eine „spekulative Anlage. Bei Verschlechterung der Lage ist mit Ausfällen zu rechnen“.

Die Seilbahn soll über das Landschaftsschutzgebiet Rosental geleitet werden, welches viele Stuttgarter Bürgerinnen und Bürgern als wichtiges Naherholungsgebiet nutzen. – Man kann und muss schon JETZT öffentlich machen, dass ein solcher Eingriff in dieses Landschaftsschutz- und Naherholungsgebiet inakzeptabel ist, zumal es bereits eine Busverbindung zum sogenannten Eiermann-Areal gibt, die man bedarfsgerecht ertüchtigen könnte und die bei Einsatz moderner Hybrid- oder E-Busse eine bessere Ökobilanz hat.